Ein Jahr bin ich jetzt in Güls

Ein Erfahrungsbericht von Mina Louka

Ich heiße Mina, komme aus Ägypten, bin 27 Jahre alt und Tauchlehrer von Beruf. Seit einem Jahr bin ich jetzt in Deutschland. Im Oktober 2013 kam ich mit dem Flugzeug am Münchener Flughafen an. Dort habe ich mit der Polizei gesprochen: über meine Probleme in Ägypten und über die schwierige Situation, in der ich dort lebte.

Fast alle koptisch-christlichen Gläubigen in meiner Heimat haben seit hunderten Jahren solche Probleme, und es werden immer mehr. Von 2011 an war der Tod mein Freund, weil ich ihn die ganze Zeit und überall sah. Die Konflikte dauerten Jahre. Jahre der Dunkelheit und des Blutes.

Die Polizei in München nahm alle Nachweise und persönlichen Papiere an sich: Meinen Reisepass, meinen Führerschein und meine Zeugnisse. Mit dem Zug fuhr ich nach Trier; dort blieb ich ungefähr einen Monat, bevor ich – durch eine automatische Verteilung – der Stadt Koblenz zugeteilt wurde.

Im November kam ich mit zwei anderen Ägyptern zur Stadtverwaltung Koblenz. Das Sozialamt schickte uns in den ehemaligen Gasthof “Zur Tränke” in Güls-Bisholder. Die ersten Tage waren sehr schwierig, weil ich die Leute in Bisholder nicht kannte – zwei Männer aus dem Iran und dreizehn aus Ägypten, wobei letztere fast alle aus El Minia in Süd-Ägypten stammten, während ich aus Alexandria am Mittelmeer komme. Aber fast alle waren sehr nett und total lieb.

Es war eine Frau aus Güls, die uns zuerst ihre helfende Hand gab. Wir kannten die Nachbarn nicht, und wir wollten gerne “Hallo!” sagen oder “Wir sind hier” und “So sind wir”. Dann hatten wir die gute Idee, eine Feier zu organisieren. Im Dezember luden wir die Nachbarn, den Ortsvorsteher Herrn Schmidt, Pastor Lucas und die Mitarbeiter des Sozialamtes und der Ausländerpolizei zu einer schönen Feier ein – mit Musik und original arabischem und persischem Essen und Trinken.

Ich habe keine Zukunft mehr und meine Vergangenheit verloren. Ich habe so große Schmerzen in meinem Herzen. Es ist einfach, meine Hand auf meinen Mund zu legen, um dies nicht zu sagen; aber es ist schwer, meine Hand auf mein Herz zu legen, um nicht zu leiden.

Aber was ist mit den Verheißungen Gottes in der Bibel? Gott ist für uns Zuflucht und Schutz, in Zeiten der Not schenkt er uns seine Hilfe mehr als genug. Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erde bebt und wankt und die Berge mitten ins Meer sinken.

Auch wenn ich meine Eltern oder meinem Geburtsort nicht wählen kann, bin ich doch ein Mensch – der viele Probleme hat und Ruhe und Liebe braucht. Und ich sehe, dass Gott hier in Güls ist.

“Meine Freunde, wie wollen einander lieben, denn die Liebe hat ihren Ursprung in Gott, und wer liebt, ist aus Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt: denn Gott ist Liebe” (1. Johannes 4,7)

Ich fühle, dass mich Menschen hier lieben. Danke und tausend Dank an jeden Menschen, der mir geholfen hat. Ich hoffe, dass auch ich euch helfen und etwas zurückgeben kann.

Mina Louka

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