Sprachunterricht für Flüchtlinge – Hier lernt jeder mit!

Ein Erfahrungsbericht von Shabnam Ahmadshahi

“Mit dem Zuwachs an Flüchtlingen in Deutschland steigt natürlich auch der Bedarf an Unterkünften und Freiwilligen, die sich auf viele verschiedene Weisen einsetzen können. Darunter fällt auch der Sprachunterricht für Flüchtlinge, welche so schnell wie möglich erste Ansätze der Sprache erlernen sollten, um sich vor allem in wichtigen Situationen selbstständig ausdrücken zu können. Aus diesem Grund finden sich immer mehr SchülerInnen und StudentInnen, die ein- bis zweimal in der Woche einen Sprachkurs anbieten.

Dazu haben auch wir uns entschlossen, denn sich samstags eine Stunde Zeit zu nehmen, ist kein großer Aufwand. Das Gefühl nach dem Unterricht hingegen ist bei uns allen überwältigend. Jede Woche aufs Neue lernt man Menschen, egal welchen Alters, kennen, die eine unfassbare Geschichte zu erzählen haben. Oft kommen sie mit nichts als sich selbst und ihren Familien. Umso spannender ist es für uns, diese Menschen zu unterrichten.

Einige haben gute Englischkenntnisse und können sich dementsprechend schon problemlos mit uns verständigen, was es uns einfacher macht, ihnen neue Wörter, Sätze und Regeln der für sie neuen Sprache beizubringen. Andere wiederum können kein bisschen Englisch, auch Schreiben oder Rechnen haben sie nie gelernt, waren in ihrem Land also Analphabeten. Hier ist besondere Geduld und Aufmerksamkeit von uns Lehrern gefragt, da es sehr lange dauern kann, bis sich erste Erfolge zeigen. Das Gefühl für Schreiben und Lesen fehlt nunmal komplett, auch der Sinn von Buchstaben und Zahlen ist für diese Menschen nicht leicht durchdringbar.

Doch die Flüchtlinge, die wir bisher kennenlernen durften, zeichnen sich durch ihren großen Ehrgeiz aus, welcher uns zeigt, wie sehr sie sich wünschen, eines Tages mit uns und allen anderen fließend deutsch zu sprechen. Dies weckt auch unseren Eifer, ihnen mit unterschiedlichen Methoden Schwieriges möglichst verständlich zu vermitteln. Dabei können Bilder und kleine Schauspielereien eine sinnvolle Alternative zu den Lehrbüchern sein. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und so lernen nicht nur die Flüchtlinge dazu, sondern auch wir Lehrer.

Deshalb ist Sprachunterricht für AsylbewerberInnen viel mehr als nur Unterricht. Nach jeder Stunde bedanken sich die TeilnehmerInnen bei uns, sehen es als nicht selbstverständlich an, und das, obwohl wir großen Spaß daran haben und es aus unserer Sicht wohl das normalste auf der Welt ist, jedem in Deutschland auch den Zugang zur Sprache zu eröffnen. Teil von diesem Zugang zu sein, macht uns glücklich und ist daher absolut empfehlenswert.”

Shabnam Ahmadshahi, eine unserer über 20 ehrenamtlichen Sprachlehrer*innen

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