Drei Jahre “Runder Tisch Asyl” Bisholder Güls – eine Erfolgsgeschichte

Überblick nach knapp drei Jahren Engagement

Unser “Runder Tisch Asyl” (RTA) hat sich zusammen gefunden, nachdem im Herbst 2014 die ersten gut 20 Flüchtlinge aus Ägypten, verfolgte koptische Christen, vom Sozialamt in Bisholder bei Güls einquartiert worden waren. Unsere beiden Kirchen hatten eingeladen und viele engagierte Menschen aus Koblenz haben sich in den kommenden Monaten und Jahren im RTA engagiert, um aufkommende Spannungen, die leicht entstehen, wenn viele junge Menschen ohne Betreuung in einer Unterkunft wohnen, abzubauen, um zwischen allen Beteiligten zu vermitteln und um Flüchtlingen bei der Integration in die deutsche Gesellschaft zu helfen.

 

Das begann direkt vor Ort mit ehrenamtlicher Unterrichtung in unserer Sprache, wofür sich spontan vier Lehrerinnen fanden. Stellvertretend sei hier Ulla Giesen genannt, die bis heute hin Unterricht gegeben hat.

Sehr viel unmittelbare Hilfe kam von direkten Nachbarn, besonders zu nennen, die Reparatur von Fahrrädern. Diese nahm im Laufe der Zeit so zu, dass Terry Baity im Keller unter dem Pfarrhaus eine richtige Werkstatt einrichtete, wo er noch immer meist einmal in der Woche arbeitet – und geschenkte Fahrräder manchmal sogar ganz grunderneuern muß.

Unsere  Ägypter fanden mit Hilfe Einzelner sehr schnell Wohnungen und oft gespendete Möbel, die in der gesamten Zeit besonders häufig von Lutz Zahnhausen transportiert wurden mit Hilfe des uns zur Verfügung gestellten Anhängers der ebenfalls vielfältig engagierten Familie Rothburg-Faust.  Danach kamen etwa ebenso viele Eritreer, z.B. auch der 16jährige Dali, der uns allen schnell ans Herz wuchs und inzwischen im 2. Lehrjahr ist. Der Flüchtlingsstrom verlagerte sich bald erneut, und die Übergangsunterkünfte füllten sich immer sofort wieder neu, dieses Mal überwiegend mit Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien und einigen aus Afghanistan.

Nun waren viele ehrenamtliche Deutschkurse gefragt – und das auf unterschiedlichstem Niveau. Denn es kamen sowohl Analphabeten, wie auch studierte jungen Menschen. So wurde mit Hilfe von dem allseits tätigen und von vielen jungen Flüchtlingen als Vater betrachteten Jürgen Sonntag die katholische Begegnungsstätte zum hauptsächlichen Lehr-Ort. Hier wurden zeitweise an sechs Tagen in der Woche etwa 15 Kurse auf unterschiedlichstem Niveau gegeben. Insgesamt haben sich über die Zeit an die 50 Menschen, jüngere und ältere, in der Lehre engagiert, koordiniert von der Autorin dieses Artikels. Stellvertretend für langfristig Unterrichtende – z.T. sogar bei sich oder bei Flüchtlingen zuhause –  seien hier die ebenfalls noch heute Tätigen Christine Rensinghoff und Daniela Fischer genannt. Das Lehrmaterial stellte die ev. Kirche zur Verfügung. Inzwischen laufen statt unserer ehrenamtlichen Kurse andernorts  Pflichtkurse für diejenigen Flüchtlinge, die anerkannt werden.

Es wurde deutlich, dass die Menschen längere Zeit bei uns bleiben würden. Deshalb richteten Einige im Raum der ev. Kirche das Café Miteinander ein mit dem Ziel, mehr Begegnungsmöglichkeiten und dauerhaftere Kontakte zwischen Einheimischen und Flüchtlingen zu schaffen. Nicole Heidel und Kai Uwe Schmidt haben das ungefähr 20 mal organisiert unter engagierter Mithilfe vieler Gülser, stellvertretend genannt z.B. das Ehepaar Rüdig. Das erklärte Ziel, Patenschaften zu vermitteln, ist sowohl über das Café wie auch über den Sprachunterricht und auch auf anderen Wegen etwa 20 Mal geglückt und dauert z.T. noch an, sogar selbst dann, wenn inzwischen Flüchtlinge schon einen Ausbildungsplatz gefunden haben. Hier seien als permanent und vielfältigst Engagierte zwei Nachbarfamilien der beiden Übergangsheime, von denen das in Güls noch immer stark belegt ist, genannt, Baity(s) und Helm(s). Insofern hat das Café Miteinander seinen Anspruch voll erfüllt und gönnt sich jetzt eine längere Pause.

Unabhängig von den festen Bestandteilen des Engagements  in unserem Stadtteil wurden auch von weiteren Menschen Willkommenskonzerte und Benefizkonzerte gegeben. Und wir haben Ausflüge organisiert und manches Andere mehr.

Voll “im Dienst” ist noch immer “Die Tafel”. Zunächst von Jürgen Sonntag ehrenamtlich mit seinem Auto organisiert, war dieses Hilfsangebot nicht mehr leistbar, als die Stadt die Flüchtlinge auf drei Übergangsheime in Güls und Bisholder verteilt hatte und zeitweise weit über 100 Flüchtlinge hier wohnten. Seitdem bedient sie “die Tafel” ebenfalls mit einem großen Aufgebot an helfenden Händen, allen voran Frau Schiffer, jeden zweiten Mittwoch in der katholischen Begegnungsstätte.

Außerdem bieten zwei unserer Lehrerinnen, Sonja Rech und Almut Nieratschker, schon seit längerem einen interkulturellen Sprachstammtisch an, der in Zukunft immer am letzten Dienstag im Monat  um 19.00 Uhr in der katholischen Begegnungsstätte stattfindet. Er soll helfen, das Gelernte im Alltag in lockerer Runde bei Spiel und Spaß anzuwenden.

Und auch der RTA unter ständiger Leitung von Pastor A. Miksch wird sich weiterhin in ca. 2 monatigem Abstand treffen, um immer wieder notwendige Koordinationstätigkeiten auszuüben.

Abschließend können wir berichten, dass mittlerweile eine Reihe von “unseren” Flüchtlingen entweder Arbeits-oder Teilarbeitsverhältnisse eingehen konnten oder dass sie sich in Einstiegsqualifizierungen auf eine Berufsausbildung vorbereiten oder bereits eine Ausbildung absolvieren. Das beginnt z.B. mit dem Altenpfleger oder dem Automechaniker oder -lackierer und geht über die Optikerin oder die Steuerfachangestellte zur zahntechnischen Assistentin. Ein IT-Spezialist arbeitet inzwischen sogar auf blue card-Niveau! Auch auf diesem Gebiet haben mittlerweile Arbeitsagentur oder Jobcenter bei dem Auffinden solcher Stellen professionell geholfen.

D.h. mit der Zeit sind also eine Reihe offizieller Strukturen gewachsen, die uns in mehreren Bereichen entlasten. Insofern werden wir hier bis auf Weiteres auch keine neuen Termine mehr ankündigen.

Mit anderen Worten: Die großartige ehrenamtliche Arbeit und das Engagement so Vieler hat enorm geholfen und war in den ersten  Jahren unbezahlbar und unersetzlich. So viele andere müssten hier ebenfalls genannt werden, aber das würde leider den Rahmen sprengen. Ich bitte um Verständnis.

Unser Ressumee: Der Runde Tisch Asyl Bisholder  Güls ist eine Erfolgsgeschichte.

Dr. Jutta Lange

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